Hintergrundwissen: Der Vater aller Schnäppchen

geschrieben von Alexander Kales, 856 Views

Wie Henning Schulzrinne dem IP-Telefonieren den Weg bereitete

Seine Homepage ist eigentlich ziemlich langweilig: Links zu ein paar Forschungszentren, Protokollen und eine Liste der Forschungsschwerpunkte.
Kein Wort davon, dass er einer der Väter der heutigen IP-Telefonie ist. Denn 1996 entwickelte Professor Henning Schulzrinne am Fraunhofer-Forschungsinstitut in Berlin das SIP-Protokoll.
Ursprünglich war’s nur dazu gedacht, Teilnehmer von Konferenzen virtuell zusammenzubringen. Doch schnell erkannte der Wissenschaftler, wozu die SIP-Software noch taugt: zum Echtzeit-Telefonieren über das Internet – und zwar ganz und gar kostenlos.

Natürlich, die meisten Internet-Telefonierer haben von SIP – steht für Session Initiation Protocol, also ein Protokoll zur Einleitung einer Online-Sitzung – noch nie etwas gehört. Ist ja auch nicht Pflicht.
Aber wer ganz genau hinschaut, findet Schulzrinnes Entwicklung fast überall in der VoIP-Branche: Einer der wichtigsten Internet-Telefonie-Anbieter etwa heißt – Sipgate. Das SIP-Protokoll haben Schulzrinne und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter von vornherein für das Internet entwickelt.
Es ist flott, flexibel und einfach – massentauglich wurde es aber erst mit der Verbreitung der schnellen DSL-Leitungen.

Auch fast zehn Jahre nach der Bahn brechenden Erfindung beschäftigt sich Schulzrinne – der mittlerweile Professor an der renommierten Columbia University in den USA ist – noch mit der IP-Telefonie.
Allerdings teilt er nicht den Optimismus der mittlerweile zahllosen Internet-Telefon-Provider. Schließlich geht’s dem Forscher nicht ums Geschäft, sondern um hehre Ziele: Sein Wunsch ist es, eine freie und unabhängige Software für IP-Telefonie zu schaffen. Quasi ein Linux für Voice over IP. Das scheitere jedoch, fürchtet Schulzrinne, mittelfristig an den unzähligen Softwarepatenten.

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