VoIP Voice over IP: Stell dir vor es brennt, und keiner holt Hilfe

geschrieben von Alexander Kales, 824 Views

Warum VoIP-Dienste mit Notrufnummern ein echtes Problem haben.

Kinder lernen es schon in der Grundschule. Bei Feuer und Unfällen die 112, bei Einbrechern die 110. Was aber, wenn Sie statt der erhofften Stimme des Rettungsdienstes nur die monotone Standard-Ansage "Kein Anschluss unter dieser Nummer!" zu hören bekommt ?

Unwahrscheinlich? Nicht ganz. Wer heutzutage ausschließlich per VoIP telefoniert, kommt meist nicht bis in die Rettungszentrale durch. Klingt unglaublich, ist aber so. Denn bei den neuen Internet-Telefonanschlüssen gibt es noch keine gesetzliche Regelung für Notrufe.
Wie wichtig es ist, dass die Kommunikationsanbieter da endlich nachbessern, zeigt der Blick über den großen Teich: Ein Mädchen aus Florida starb an Atemstillstand – weil es der Mutter nicht möglich war, einen Notruf abzusetzen. Als VoIP-Kundin hätte sie diesen "Service" vorher von ihrem Provider freischalten lassen müssen – gewusst hat sie das natürlich nicht.

Ähnlich düster sieht’s in Deutschland aus. Auch hier können die meisten Kunden von VoIP-Diensten technisch keinen Notruf absetzen. Aufgerüttelt von dem tragischen Unglück in den USA tut sich aber endlich etwas: Die Firma Sipgate arbeitet als erster Kommunikationsanbieter in Deutschland an einer Lösung für einen bundesweiten VoIP-Notrufdienst. Und die hört sich ganz simpel an. Der Kunde hinterlegt beim Vertragsabschluss seine Wohnungsdaten bei Sipgate. Diese Daten werden mit der VoIP-Telefonnummer gebündelt und dem Rettungsdienst zur Verfügung gestellt. Bei einem eingehenden Notruf sieht die Rettungsleitstelle also zu welcher Adresse die jeweilige Nummer gehört.

Könnte funktionieren, zumindest solange der Kunde mit seinem VoIP-Gerät nicht den eingetragenen Wohnort verlässt. Sobald der Geschäftsmann mit Wohnsitz in Berlin aber im Büro in Hannover einen Notruf über sein Notebook absetzt, sieht die Sache nicht besonders gut aus. Dann nämlich landet der Notruf trotzdem in Berlin, weil der Kunde bei Vertragsabschluss mit seinem VoIP-Anbieter dort seinen Wohnsitz angegeben hat. Bleibt also am Ende nur die Verknüpfung von IP und Ortungsdaten. Doch davon ist Deutschland technisch noch weit entfernt. Es geht aber sowieso viel einfacher. Wenn es mal brennt, einfach das Handy nehmen.

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