VoIP Voice over IP: Telefonieren ohne Festnetz – und doppelten Boden

geschrieben von Alexander Kales, 1822 Views

Die Anzahl der VoIP-Anbieter steigt rasant. Bleibt Qualität bald auf der Strecke?

Der Markt wächst und wächst und wächst. Alteingesessene Kommunikationsanbieter, aber auch die jungen Wilden wollen mit dem boomenden Internet-Telefonieren kräftig Kasse machen. Allein in den ersten beiden Aprilwochen sind über den Globus verteilt 1100 neue VoIP-Anbieter hinzugekommen. Das hat der britische Breitband-Belieferer Sandvine – selbst ein wenig erstaunt – festgestellt und in einer Pressemitteilung in die Welt der Journalisten gebracht. Fast täglich entstehen demnach neue Telefonie-Konzepte: mal mit Grundgebühr, mal ohne, mal mit Anmeldezwang, mal als klassischer Call-by-Call-Dienst. Es herrscht Goldgräberstimmung in der jungen IP-Telefonie-Branche.

Doch halt! Diesen Boom haben wir im digitalen Zeitalter schon zweimal erlebt. Das erste Mal, als es darum ging, die Deutschen mit Internet-Zugängen zu versorgen. Das versprach eine Menge Geld – und deswegen wagten sich selbst Unternehmen ins Provider-Geschäft, die mit dem Internet bis dato herrlich wenig zu schaffen hatten. Der Energie-Versorger Viag etwa schickte den Internet-Einwahldienst Viag Interkom ins Rennen um die Minutengebühren. Den kapitalstarken Konzernen folgten schließlich Kleinstunternehmen, die mit dem Internet auch eine flotte Mark machen wollten.

Als ein paar Jahre später jeder Surfer auch eine eigene Homepage vorzeigen wollte, vollzog sich das ganze Programm noch einmal beim Webhosting: erst die Großen, dann die Kleinen – spöttisch oft Wohnzimmerprovider genannt. Doch was war das Problem? Wer sich für einen der ganz kleinen Anbieter entschied, ging nicht selten ein großes Risiko ein. Musste das Einzel-Internet-Unternehmen – wegen Finanzschwäche oder Krankheit – den Dienst einstellen, saß man mindestens mit E-Mail-Adresse oder Domain auf dem Trockenen. Meist war auch das vorab bezahlte Geld futsch.

Klar, dass Branchen-Pessimisten jetzt das Allerschlimmste fürchten: ein unübersichtliches Anbieter-Chaos bei der Internet-Telefonie. Dass nach den Großen wie Freenet und GMX nun auch die Kleinen nach und nach auf den VoIP-Markt drängen werden, gilt als sicher. Abgesehen vom Schwarze-Schafe-Risiko belebt die Fimen-Vielfalt das Geschäft. Schließlich war’s schon bei Hostern und Providern so: Als die Anbieterzahl rasant stieg, fielen die Kosten im Sturzflug.

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