IP-Telefonie: Zukunft - aber bitte in Maßen!
geschrieben von Alexander Kales, 740 Views
Warum Freenet kein IP-Telefonieren by call anbieten darf
So schön hätte es werden können. Ganz ohne Vertragsbindung, ganz ohne Grundgebühren, ganz ohne ellenlange Anmeldeformulare. Doch kaum war der Kommunikationsanbieter Freenet mit seinem VoIP-Call-by-Call-Tarif auf dem Markt, da war auch schon wieder Schluss. Wäre ja auch zu schön gewesen: Einfach die 01924 vor die Rufnummer setzen, dann übers Datennetz mit dem Gesprächspartner verbunden werden. 1,9 Cent kostete die Gesprächsminute über die Call-by-Call-Leitung – und zwar rund um die Uhr ins deutsche Festnetz. Das fanden die Kunden super.
Nur einem gefiel Freenets Vorstoß in die Call-by-Call-Welt nicht: der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, kurz RegTP. Die Regulierer sahen in dem Vorwahl-Service einen Verstoß gegen die geltenden Zuteilungsregeln. Denn: Die Vorwahlen 0191-0193 sind ausschließlich für Online-Dienste reserviert, also für klassische Internet-Einwahl. Ein VoIP-Dienst habe damit aber gar nichts zu tun, befand die RegTP. Denn fürs IP-Telefonieren by Call brauche es zur Einwahl ja ein klassisches Telefon.
Natürlich verteidigte sich Anbieter Freenet vehement. Das Angebot heiße ja nicht umsonst VoIP by Call – also Sprachübertragung über das Internet. Schließlich werden die Daten ja tatsächlich vom analogen Festnetzanschluss zur Freenet-Vermittlungsstelle geleitet, dort digitalisiert und ins Internet geschickt. Folglich, so der Kommunikationsanbieter, biete man ja durchaus einen Online-Dienst an. Die Regulierungsbehörde jedoch blieb hart: Abschalten, denn Telefonverbindungen über eine Internet-Einwahlnummer sind laut RegTP-Statuten illegal.
Auf der Freenet-Internetseite ist vom 01924-Tarif inzwischen keine Spur mehr zu finden. Natürlich hätten die Techniker des Providers einfach eine klassische Telefon-Billigrufnummer aus dem 010er-Bereich vor Ihren Call-by-Call-Dienst schalten können. Aber da hätte es wahrscheinlich erneut Ärger gegeben. Schließlich sind die 010-Vorwahlen nur fürs Telefonieren gedacht. Und dürfen dann natürlich für nichts verwendet werden, was nur irgendwie mit dem Internet zu tun hat. VoIP by Call hat’s nun mal nicht leicht in Deutschland. Getreu dem Grundsatz: Zukunft ja. Aber bitte in Maßen.
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